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Windeier & Blutflecken: Ursachen & Lösungen

Du greifst voller Vorfreude ins Nest, erwartest dein gewohntes Frühstücksei, und plötzlich hältst du nur eine wabbelige Hülle oder ein Ei mit seltsamen Flecken in der Hand. Bevor du jetzt den Tierarzt rufst oder in Panik gerätst, atme erst einmal tief durch. Meistens hat deine Henne nur einen kleinen "Software-Fehler" gehabt, denn Hühner sind keine Maschinen und biologische Ausrutscher kommen in den besten Ställen vor. In diesem Artikel klären wir gemeinsam, was genau du da gefunden hast, ob du es noch essen kannst und wie du mit einfachen Mitteln dafür sorgst, dass die nächsten Eier wieder perfekt werden.

Diagnose am Gartenzaun: Die häufigsten Eier-Anomalien erkennen

Hände halten vorsichtig ein weiches <a href=Windei mit ledriger Oberfläche im Garten." width="500" />

Bevor wir über Lösungen sprechen, musst du genau wissen, was du da eigentlich in der Hand hältst. Wenn sich das Ei anfühlt wie ein gefüllter Wasserballon und statt einer harten Schale nur eine ledrige Haut besitzt, hast du ein klassisches Windei gefunden. Manchmal platzen diese Eier schon direkt im Nest und hinterlassen nur eine klebrige Pfütze, die du schnell entfernen solltest. Ein anderes Phänomen, das oft für Verunsicherung sorgt, ist der Blutfleck. Wenn du das Ei gegen eine starke Lampe hältst oder es in die Pfanne schlägst, siehst du einen kleinen, roten Punkt auf dem Dotter oder im Eiklar.

Vielleicht findest du aber auch ein winziges Ei, das kaum größer als eine Murmel oder ein Wachtelei ist. Das nennt man Hexenei, und es enthält beim Aufschlagen meistens gar keinen Dotter. Neben diesen auffälligen Formen gibt es noch optische Mängel an der Schale selbst. Dazu gehören Eier mit rauen, sandpapierartigen Oberflächen, Eier mit "Runzeln" oder Falten an einem Ende sowie Exemplare mit kleinen Kalkpickeln, die sich leicht abkratzen lassen. Auch feine Haarrisse, die aussehen wie Sterne, fallen in diese Kategorie der rein optischen Anomalien.

Hinter den Kulissen: Warum Hühner manchmal 'Fehlproduktionen' liefern

Hand hält weiches Windei ohne Kalkschale vor grünem Garten

Um zu verstehen, warum solche Eier entstehen, hilft die Vorstellung des Legedarms als ein biologisches Fließband. An der ersten Station startet das Eigelb, dann kommen Eiweiß und Schalenhäute dazu, und ganz zum Schluss wird in der "Lackiererei" die harte Kalkschale aufgetragen. Wenn dieses Fließband durch Stress zu schnell läuft – etwa wegen großem Lärm, extremer Hitze oder Rangordnungskämpfen – fehlt am Ende schlicht die Zeit für die Kalkablagerung, und das Ei kommt als Windei heraus. Auch das Alter spielt eine Rolle: Bei älteren Hennen leiert das Gewebe etwas aus, was häufiger zu verformten oder runzeligen Eiern führt, während Junghennen oft erst ihren hormonellen Rhythmus finden müssen.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist der Stoffwechsel. Deine Henne hat nur einen begrenzten Vorrat an Kalk im Blut, den sie täglich auffüllen muss. Ist dieser Speicher leer, beginnt der Körper, Kalzium aus den eigenen Knochen zu ziehen, um die Eierschale zu bauen. Wenn auch diese Reserve erschöpft ist, produziert der Körper zwangsläufig Eier mit dünnen oder fehlenden Schalen. Auch die Mauser oder der Beginn der Legeperiode sind Zeiten des Umbruchs, in denen der Körper seine Prioritäten neu sortiert und die Eiproduktion vorübergehend fehleranfällig wird.

Eignungstest für die Küche: Wann das Ei auf den Teller darf und wann nicht

Die wichtigste Frage für dich als Selbstversorger ist natürlich: Kann das noch gegessen werden? Bei einem Blutfleck oder kleinen Fleischflecken im Ei kannst du beruhigt sein. Es handelt sich dabei fast nie um einen angebrüteten Embryo, sondern meist um ein geplatztes Äderchen der Henne, das während der Eibildung entstanden ist. Du kannst den Fleck einfach mit einer Gabel herausfischen und das Ei ganz normal verzehren, da es sich um einen rein optischen Makel handelt. Auch Hexeneier sind essbar, bestehen aber oft fast nur aus Eiweiß, weshalb sie sich eher zum Backen oder als Rührei-Zusatz eignen.

Anders sieht es aus, wenn die Schutzhülle defekt ist. Windeier oder Eier mit Rissen in der Schale solltest du konsequent entsorgen und nicht mehr in der Küche verwenden. Da die harte Schale als Barriere gegen Bakterien fehlt oder beschädigt ist, können Keime wie Salmonellen sehr leicht ins Innere gelangen. Solche Eier gehören auf den Kompost, nicht in die Pfanne. Bei Eiern mit deformierten, aber intakten und festen Schalen – also Runzeln oder Kalkablagerungen – besteht hingegen keine Gefahr. Wenn du unsicher bist, mache immer den Geruchstest nach dem Aufschlagen und erhitze Eier mit Schalenfehlern im Zweifel immer vollständig durch.

Zurück zur perfekten Schale: Futter-Optimierung und Stress-Management

Zwei Hühner picken Muschelgrit aus einer Tonschale auf dem Rasen im sonnigen Garten.

Du kannst deine Hennen aktiv dabei unterstützen, wieder stabile und glatte Eier zu legen. Die erste und wichtigste Maßnahme ist die Einrichtung einer "Kalk-Bar". Stelle Muschelgrit oder getrocknete, zerkleinerte Eierschalen in einem separaten Napf zur freien Verfügung bereit, anstatt sie unter das Futter zu mischen. So kann sich jede Henne genau die Menge nehmen, die sie gerade für ihre Produktion braucht. Bedenke dabei auch den "Sonnen-Faktor": Hühner benötigen zwingend Vitamin D, um den Kalk überhaupt aufnehmen zu können. Sorge für ausreichend Sonnenlicht im Auslauf oder gib in dunklen Wintermonaten vorsichtig etwas Lebertran ins Futter.

Neben der Fütterung solltest du Stressfaktoren im Stall minimieren. Biete deinen Tieren genügend Versteckmöglichkeiten und Sichtschutz, damit rangniedere Hennen zur Ruhe kommen können. Sollte eine Henne jedoch apathisch wirken, schwer atmen oder wie ein Pinguin stehen, reichen Hausmittel nicht mehr aus – hier könnte eine Legenot vorliegen, die ein Fall für den Tierarzt ist. Sei bei allen Maßnahmen geduldig: Eine Verbesserung der Schalenqualität passiert nicht über Nacht, sondern benötigt meist ein bis zwei Wochen Zeit, bis sich der Stoffwechsel der Tiere umgestellt hat.

Fazit: Ein krummes Ding ist meist kein Weltuntergang

Ein krummes Ei oder ein kleiner Fleck sind meist kein Grund zur Panik, sondern erinnern uns daran, dass wir es mit lebenden Tieren zu tun haben. Solange deine Hennen munter wirken und du ihnen ausreichend Kalk und Ruhe bietest, regelt sich die Produktion oft von selbst wieder. Beobachte deine Tiere, pass das Futter leicht an und genieße weiterhin deine frischen Eier – auch wenn mal eins nicht der Norm entspricht. Erst wenn Probleme dauerhaft auftreten, solltest du genauer hinschauen.

Häufig gestellte Fragen

+ Ich füttere genug Kalk, aber meine Henne legt trotzdem dauerhaft wellige Eier. Kann eine Krankheit dahinterstecken?
Ja, wenn die Schalenqualität trotz guter Fütterung schlecht bleibt, kann eine überstandene Infektiöse Bronchitis (IB) die Ursache sein. Dieses Virus schädigt den Legedarm oft dauerhaft, sodass die Henne zwar wieder gesund ist, aber lebenslang Eier mit welliger oder rauer Schale legt, die jedoch bedenkenlos essbar sind.
+ Ich habe im Nest ein seltsames, fleischartiges Klumpen-Gebilde gefunden. Ist das ein extremes Windei?
Hierbei handelt es sich wahrscheinlich um ein sogenanntes Schichtei (Lash Egg), das nicht mit einem Windei verwechselt werden darf. Es besteht aus koaguliertem Eiter und Gewebe, verursacht durch eine schwere Eileiterentzündung (Salpingitis), und ist ein ernstes Warnsignal, das oft eine antibiotische Behandlung durch den Tierarzt erfordert.
+ Können zu viele Leckerlis wie Mehlwürmer für schlechte Eierschalen verantwortlich sein?
Absolut, denn getrocknete Mehlwürmer enthalten sehr viel Phosphor, der in hohen Mengen die Aufnahme von Kalzium im Körper blockiert. Selbst wenn genug Muschelgrit zur Verfügung steht, kann der Körper ihn nicht verarbeiten, weshalb du Leckerlis auf maximal 10 % der Tagesration begrenzen solltest.