Wenn sich die Jahreszeiten im Garten ändern, wandelt sich auch der Speiseplan Ihrer Hühner. Ein Futterplan, der mit dem Kalender wächst, ist der Schlüssel zu gesunden Tieren und vollen Eierkörben, egal ob die Sonne scheint oder der Schnee fällt. Es geht nicht darum, alles kompliziert zu machen, sondern darum, mit einfachen, gezielten Anpassungen auf die natürlichen Bedürfnisse Ihrer Herde einzugehen. Dieser Leitfaden führt Sie praktisch und verständlich durch die vier Jahreszeiten der Hühnerfütterung.
Die Basis für das ganze Jahr: Warum gutes Grundfutter unverzichtbar ist
Bevor wir über saisonale Leckerbissen sprechen, müssen wir das Fundament legen. Das wichtigste Element im Futterplan ist ein hochwertiges Alleinfuttermittel, meist in Form von Legemehl oder -pellets. Betrachten Sie es als das tägliche Brot Ihrer Hühner: Es enthält alle lebenswichtigen Nährstoffe, Vitamine und Mineralien in einem ausgewogenen Verhältnis. Diese Grundlage sorgt dafür, dass Ihre Tiere niemals einen Mangel erleiden, selbst wenn der Auslauf mal weniger hergibt.
Viele gut gemeinte Küchenreste oder reine Körnermischungen können diese ausgewogene Basis nicht ersetzen. Sie sind eine willkommene Ergänzung, aber niemals die Hauptmahlzeit. Ein Alleinfutter sollte Ihren Hühnern daher immer zur freien Verfügung stehen. Achten Sie bei der Auswahl darauf, dass es zur Lebensphase Ihrer Tiere passt – Legehennen haben andere Bedürfnisse als Küken oder Hähne.
Frühling & Sommer: Energie für die Legehochzeit und kühlen Kopf bei Hitze
Im Frühling erwacht die Natur und mit ihr die Legefreude Ihrer Hennen. Jetzt läuft die Eierproduktion auf Hochtouren, was einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen bedeutet. Besonders wichtig ist Kalzium für stabile Eierschalen. Stellen Sie daher immer eine separate Schale mit Muschelgrit oder zermahlenen, getrockneten Eierschalen bereit. Das frische Grün im Auslauf liefert zudem wertvolle Vitamine und sorgt für ein sattes, gesundes Eidottergelb.
Der Sommer bringt eine andere Herausforderung: Hitze. Hühner können nicht schwitzen und fressen bei hohen Temperaturen oft weniger. Damit sie trotzdem alle Nährstoffe bekommen, ist ein hochwertiges, nährstoffdichtes Futter entscheidend. Die wichtigste Aufgabe ist es aber, für Abkühlung und Flüssigkeit zu sorgen. Frisches, sauberes Wasser an mehreren schattigen Plätzen ist überlebenswichtig. Ein besonderer Leckerbissen und eine willkommene Wasserquelle sind gekühlte Stücke Wassermelone oder eine halbierte Gurke. Das ist mehr als nur eine Belohnung – es ist eine natürliche Klimaanlage von innen.
Herbst & Winter: Kraft für die Mauser und Wärme für die kalte Zeit
Der Herbst ist die Zeit der Mauser. Ihre Hühner erneuern ihr gesamtes Federkleid, was ein enormer Kraftakt ist. Federn bestehen fast vollständig aus Protein, und für diesen "Neubau" benötigen die Tiere Unmengen an Baustoffen. Unterstützen Sie sie jetzt gezielt mit einer proteinreichen Futterergänzung. Eine Handvoll Sonnenblumenkerne, ein paar getrocknete Mehlwürmer oder etwas Magerquark helfen, diese anstrengende Phase gut zu überstehen.
Im Winter verwandelt sich jedes Huhn in einen kleinen Ofen, der ständig Energie verbraucht, um sich warm zu halten. Jetzt ist energiereiches Futter das beste „Heizmaterial“. Eine kleine Extraportion Körnermais, Haferflocken oder Gerste am späten Nachmittag ist ideal. Die Verdauung dieser Körner über Nacht erzeugt zusätzliche Körperwärme. Ebenso kritisch ist das Trinkwasser: Sorgen Sie dafür, dass es nicht gefriert. Gegen die Langeweile an kurzen Tagen im Stall hilft eine einfache Beschäftigung: Hängen Sie einen Kohlkopf oder ein paar Zweige Grünkohl auf. Das Futter-Pendel beschäftigt die Herde stundenlang und fördert das natürliche Pickverhalten.
Die saisonale Speisekammer: Konkrete Futter-Helfer und Tabus im Überblick
Ihre Küche und Ihr Garten sind eine wunderbare Quelle für gesunde Ergänzungen. Wichtig ist die Regel: Leckerbissen und Extras sollten nie mehr als 10-15 % der täglichen Futterration ausmachen. Hier ist ein Überblick über bewährte Helfer und klare Tabus:
- Energielieferanten (besonders im Winter): Mais, Sonnenblumenkerne, Haferflocken, Gerste. Sie liefern die nötige Kraft, um warm zu bleiben.
- Protein-Booster (besonders im Herbst zur Mauser): Getrocknete Mehlwürmer, Magerquark, ein gekochtes Ei (zerkleinert), Bierhefe (unter das Futter mischen). Sie sind die Bausteine für Federn und Muskeln.
- Vitamin- und Frischekicks (ganzjährig, wichtig im Winter): Gekeimtes Getreide, frische Kräuter wie Oregano oder Petersilie, geraspelte Karotten, Apfelstücke (ohne Kerne).
- Wasserreiche Snacks (besonders im Sommer): Gurke, Zucchini, Wassermelone. Sie spenden Flüssigkeit und helfen bei der Abkühlung.
Was niemals in den Futtertrog gehört: Vermeiden Sie unbedingt stark gesalzene, gewürzte oder gezuckerte Speisereste. Absolut tabu und giftig für Hühner sind Avocado, Zwiebelgewächse, rohe Kartoffeln und natürlich Süßigkeiten oder Schokolade.
Ihr Futterplan für gesunde Hühner: Ein Kreislauf, kein starrer Plan
Ein guter Futterplan ist kein starres Regelwerk, sondern ein flexibler Kreislauf, der sich an den Jahreszeiten orientiert. Die Basis bleibt immer ein hochwertiges Alleinfutter, ergänzt durch das, was die Saison und Ihr Garten hergeben. Der wichtigste Ratgeber sind jedoch Ihre Tiere selbst: Beobachten Sie ihr Verhalten, ihr Gefieder und ihre Vitalität. So entwickeln Sie ein sicheres Gespür dafür, was Ihre Herde gerade braucht, und begleiten sie souverän und gesund durch das ganze Jahr.