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Was kostet ein Huhn wirklich? Preis von Anschaffung bis Futter

Gestern stand ich beim Discounter, zwei Eierkartons im Arm, und dachte: Für das Geld könnte ich ein ganzes Huhn füttern! Aber stimmt das wirklich? Bevor du dir Hühner anschaffst, willst du wissen, was dich das Tier wirklich kostet – von der ersten Anschaffung bis zum letzten Ei. In diesem Artikel rechnen wir offen und ehrlich durch: mit konkreten Preisen, regionalen Beispielen und den versteckten Posten, die viele Neuhalter übersehen. Am Ende weißt du, ob sich eigene Hühner für deinen Geldbeutel lohnen – und wo du ohne schlechtes Gewissen sparen kannst.

Die ersten Schritte: Tier, Stall und alles, was nur einmal kostet

3 glückliche Hühner verlassen Paletten-Stall, 3 frische Eier im Stroh, Morgenlicht

Ein Starter-Set für drei Hühner kostet so viel wie ein günstiges Fahrrad – aber es legt danach Eier statt Kilometer zurück. Die größte Hürde ist nicht das Tier selbst, sondern der Stall. Ein Bausatz für vier Hennen beginnt bei etwa 250 €, ein solider Gebrauchtstall liegt zwischen 50 € und 150 €. Wer handwerklich ist, baut aus europaletten und Holzlatten einen wetterfesten Ministall für unter 80 €; wichtig sind nur drei Dinge: trockene Höhe, windgeschützte Sitzstange und ein sicheres Legenest. Das sparst du dir, wenn du bei Freunden oder auf Hof-Börsen nach einem gebrauchten Modell suchst – vereinbare vorher einen Besichtigungstermin und achte auf Fuchsbisse oder rostige Drahtstücke.

Die Tiere selbst sind vergleichsweise günstig. Ein acht Wochen altes Küken kostet auf dem Wochenmarkt 8–12 €, eine 18-Wochen-Junghenne – also fast einsatzbereit – 20–25 €. Erwachsene Legehennen mit Papier (Impfnachweis, Leistungsdaten) zahlen 30–35 €, liefern aber oft schon am Tag der Ankunft das erste Ei. Tipp: Nimm drei Tiere, denn Hühner sind Rudeltiere; bei zwei wird schnell eine zur Zielscheibe. Die Transportbox leihen Tierärzte meist kostenlos – spart 15 € und vermeidet Karton-Notlösungen.

Für das Zubehör brauchst du einen Wassertränker (8–12 €), eine Futterkiste mit Deckel (15 €), zwei Sitzstangen aus Rundholz (5 €) und ein Legenest (12–20 €). Dazu kommen ein Eimer für Streu (5 €) und eine kleine Schaufel (3 €). Alles zusammen landest du bei 60–90 €, wenn du auf Qualität achtest – billige Kunststoff-Tränken springen im zweiten Winter. Achte auf Ahorn- oder Buchenholz für Stangen; Nadelholz splittert und kann Fußballen verletzen. Mit diesen Zahlen kannst du planen: für unter 400 € startest du sicher, für unter 250 € geht es auch, wenn du kreativ bist und ein bisschen Glück bei Gebrauchtteilen hast.

Laufende Futterkosten: Was jeden Monat auf den Tisch kommt

4 bunte Emaille-Eimer mit Körnermischungen auf Holzbank, Hühner auf grünem Rasen

Ein Huhn frisst so viel wie zwei Katzen – aber nur, wenn es draußen kalt ist; im Sommer sparst du eine Handvoll Körner pro Tag. Die Tagesration liegt bei 120–150 g, was 15–18 Cent kostet. Rechnest du vier Hennen hoch, landest du bei rund 18 kg Futter im Monat – das entspricht 13–20 €, je nachdem, ob du beim Landhandel, Discounter oder Bio-Betrieb kaufst. Mischkorn kostet durchschnittlich 0,55 €/kg, ein vollwertiges Bio-Körnermischfutter 0,85 €/kg, die günstige Hausmarke im Discounter 0,40 €/kg. Die Unterschiede liegen nicht nur im Preis: teurere Mischungen enthalten bereits Grit und Mineralstoffe, beim günstigen Sorten musst du separat Muschelgrit dazugeben (2–3 €/kg).

Du kannst 30 % Futterkosten sparen, wenn du gekühlte Reste aus der Küche sinnvoll einsetzt. Ungekochtes Gemüse, Salatblätter, gekochte Kartoffeln oder Reis – alles, was du selbst essen würdest – landet morgens in einer separaten Schale. Achte auf Zwiebeln, Schokolade oder fettige Essensreste; die vertragen Hühner nicht. Eine einfache Methode: stelle Montag bis Freitag fünf kleine Schüsseln bereit – drei mit Körnern, zwei mit Resten. So behältst du den Überblick und verhinderst, dass die Henne sich nur noch nach den „Süßigkeiten“ umsieht.

Ein 25-kg-Sack reicht vier Hühnern etwa sechs Wochen. Stelle dir vor, du tankst einmal und kommst zwei Monate lang nicht mehr an die Zapfsäule – genauso entspannt ist die Futter-Versorgung. Lagere das Korn trocken und mausgeschützt; ein alter Getränkekasten mit Deckel tut es. Wenn du einmal vergisst nachzukaufen, helfen zwei Tage lang Haferflocken oder Weizenkörner aus dem Supermarkt (1 €/kg) als Notlösung. So landest du monatlich bei 15 €, im Bio-Modus bei 25 € – immer noch weniger als eine Tankfüllung oder drei Mal Pizza bestellen.

Die versteckten Begleiter: Versicherung, Streu, Arzt und Kleinzeug

Diese Posten sind wie das Kleingeld im Supermarkt – einzeln kaum spürbar, zusammen landen 100 € im Jahr in der Tierarzt-Spardose. Beginnen wir mit der Einstreu: pro Quadratmeter Lauffläche brauchst du jährlich rund 8 kg Stroh oder Holzspanen. Bei vier Hennen mit zwei Quadratmetern Auslauf sind das 16 kg, was 28 € kostet (0,35 €/kg). Kaufst du beim lokalen Reiterhof einen 25-kg-Sack, zahlst du nur 0,20 €/kg – spart 40 % und du hast immer genug Vorrat für spontane Stallreinigung.

Ein Basispakert für Gesundheit liegt bei 46 € pro Jahr: Impfung gegen Geflügelpest/Newcastle (12 €), zweimal Wurmkur (je 4 €) und eine kleine Notfall-Reserve (30 €) für plötzliche Fuchsverletzungen oder Ateminfekte. Dazu kommt die oft vergessene Haftpflichtversicherung für Kleintierhaltung: 30–60 € jährlich, je nach Region und Deckungssumme. Sie springt ein, wenn dein Hahn den Nachbarn weckt und dieser Schmerzensgeld fordert oder wenn ein Flugtier auf die Straße läuft und einen Radfahrer stolpert. Ein Anruf bei deinem Versicherer genügt; die Police kann meist zur Hausratversicherung dazugebucht werden.

Kleinzeug addiert sich: Eierkartons (2 € pro 10 Stück), neue Dichtungen für die Tränke (3 €), Ersatz-Sitzstange (4 €) und Muschelgrit (5 €) kommen auf rund 20 € jährlich. Hinzu kommen Stromkosten für eine Winter-Wassererwärmung: eine 40-Watt-Heizung läuft bei Minusgraden 12 Stunden täglich – das macht 4 € im Monat oder 15 € pro Jahr. Alles zusammen landest du bei 110–130 € jährlich, die meisten Halter unterschätzen diese Summe um mindestens die Hälfte. Schreib dir die Posten gleich in eine Excel-Tabelle, dann überrascht dich die jährliche Abrechnung nicht.

Einnahmen und Gegenrechnung: Was wirklich vom Preis pro Ei übrig bleibt

Holztisch im Garten mit Hühnerfuttersäcken, Streueimern und Krankenbox

Rechnung ist ganz einfach: drei Legehennen liefern im Durchschnitt 900 Eier im Jahr. Zum aktuellen Discounter-Preis von 0,30 € entspricht das 270 € Ersparnis am Laden. Ziehe nun die laufenden Kosten ab: 180 € Futter, 30 € Streu, 40 € Tierarzt/Versicherung – bleiben 20 € plus. Die Einmal-Ausgaben verteilst du auf drei Nutzungsjahre: 350 € Stall + 100 € Tiere = 450 € macht 150 € pro Jahr. Geteilt durch 900 Eier kommen 0,17 € pro Ei oben drauf – landest du bei einem Eigenpreis von 0,25–0,28 € pro Ei. Damit liegst du leicht unter Bio-Preisen, aber über Discounter-Eiern. Der Vorteil: du kennst die Haltung, sparst dir Fahrten und bekommest frischste Eier mit dicker Dotterhaut.

Neben-Einnahmen gibt es auch: der Komposthaufen hinter dem Stall liefert jährlich zwei Säcke Kräuter-Dünger, die du sonst für 20 € kaufen würdest. Die Hühner vertilgen Schnecken und Unkraut-Samen – gemessen an deiner Arbeitszeit sparst du mindestens eine halbe Stunde pro Woche Gartenarbeit, was 25 € im Monat entspricht. Zählst du alles zusammen, liegt dein „Frühstücksei“ bei 0,22 €. Mit einer einfachen Excel-Spalte „Eier gezählt“ dokumentierst du drei Monate lang die tatsächliche Leistung – dann kennst du den genauen Cent-Betrag und kannst entscheiden: ausbauen, so lassen oder mal eine Pause einlegen.

Fazit

Dein Ei kostet dich rund 25 Cent – dafür bekommst du Frische, Garten-Dünger und ein entspanntes Gewissen. Rechnest du die Einmal-Ausgaben auf drei Jahre und die laufenden Kosten genau, sparst du gegenüber Bio-Eiern etwa 50 € jährlich und vermeidest böse Überraschungen. Heute noch: notiere eine Woche lang, wie viele Eier eure Familie wirklich verbraucht – dann passt die Hühnerzahl ins Budget und du entscheidest entspannt, ob das Huhn zu dir oder doch nur zum Frühstück in den Einkaufskorb kommt.

Häufig gestellte Fragen

+ Kann ich Hühnerfutter steuerlich absetzen, wenn ich die Eier verkaufe?
Ja – ab dem ersten verkauften Ei gilt die landwirtschaftliche Betriebsvermutung. Melde ein 1-Hektar-Gewerbe an, lege eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung vor und du kannst Futter, Strom, Stallabschreibung und sogar Fahrten zum Tierarrt von der Steuer absetzen. Kleinverkauf bis 2.000 € jährlich bleibt oft steuerfrei, aber die Vorsteuer auf Futter und Equipment holst du dir trotzdem zurück.
+ Wie viel Wasser verbraucht eine Henne pro Tag – und lohnt sich eine Regenwasserzisterne?
Eine Legehenne trinkt 200–300 ml täglich, bei Hitze bis zu 0,5 l. Vier Hühner verbrauchen also rund 400 l im Jahr. Eine 1.000-Liter-Zisterne (ca. 80 € gebraucht) spart bei Leitungswasserpreisen von 1,80 €/m³ nur 0,72 € jährlich – wirtschaftlich kaum relevant. Sie lohnt sich erst, wenn du zusätzlich den Garten bewässerst oder in Regionen mit Regenwassergebühren lebst.
+ Welche Rassen liefern das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für Anfänger?
Lohmann Brown und Bovans White sind industrielle Hochleister: 320–340 Eier im ersten Jahr, Junghennen kosten nur 6–8 €, aber Gesundheitsprobleme häufen sich ab dem 2. Lebensjahr. Langlebiger und robuster: Rhode Island Red oder Sussex – 250 Eier, dafür 5–6 Jahre produktiv. Rechnerisch kostet das Ei bei Lohmann 8 Cent, bei Sussex 12 Cent – dafür sparst du Anschaffungs- und Tierarztkosten über die Zeit.